Samstag, 17.03.2018   21.30 Uhr

Einlass:  20.00 Uhr

Women

 Psychedelic-Electro’n’Disco-Pop

Einfache Antworten sind gefragt. WOMAN stellen lieber Fragen. Zum Beispiel diese hier: „Where you gonna go when the planet erupts?“ heißt es im ersten Vers von Dust, dem ersten Song auf HAPPY FREEDOM, dem ersten Album des Kölner Trios. Tja, wohin willst du gehen, wenn die Erde zerbirst? Wer darauf eine einfache Antwort fndet, kann ja schon mal vorgehen...Textlich geht es also gleich gut los. Und musikalisch auch. Der Beat marschiert elegant in Richtung Firmament, Keyboards öfnen den Raum, aus dem Dunkel kommen seltsame Geräusche. „Is there something greater than dust?“, fragt die Stimme.
Klar, denkt der Hörer, nämlich diese kosmisch-elektronische Pop-Musik!
HAPPY FREEDOM ist ein Debütalbum, von niemand geringeren produziert als Zebo Adam, dem Produzenten hinter Bilderbuch. Ein heiß ersehntes Debütalbum. Gut, das steht mindestens in jedem zweiten Infotext. Aber bei WOMAN trift es zu. Seit fünf Jahren wird bereits über diese Band gemunkelt,
wer sie von Anfang an kennt, tauscht seine frühen Eindrücke wie Geheimwissen aus. Die Geschichte begann 2012 in der Kellerbar im Belgischen Viertel von Köln. Drei befreundete Musiker aus der Stadt
hatten noch nicht einmal einen Namen, aber das erste Set stand. Es war laut und chaotisch, halb Einstürzende Neubauten, halb Suicide. Wer damals dabei war, rieb sich die Augen: Okay, das Ding steckte konzeptionell noch in den Kinderschuhen, aber die Intensität und Experimentierfreude der Musik nahm
alle ein.
Das Cover von HAPPY FREEDOM zeigt den aufgeschnittenen Planeten, der Erdkern ist eine Diskokugel. Kein Bild könnte WOMAN besser beschreiben. Die Songs der Band beschreiben unsere Leben – und während wir uns über die trefenden Analysen wundern, tanzen wir dazu. Marvelous City ist die erste
Single, ein kreisendes Stück, beinahe wie ein Mantra: „There's a marvelous city in my dreams/ You should go downtown there if you know what I mean.” Man glaubt an einen Sehnsuchtsort, doch dann singt Carlos: „Only it’s a dystopy.“ Es kommen Erinnerungen an die großen Science-Fiction-Filme der 70er auf, an Werke wie „Logan’s Run“, die dem Zuschauer Rätsel aufgeben, Fragen stellen: Was willst du, was bist du bereit dafür in Kauf zu nehmen?
Bei Concrete Jungle nimmt die City Form an, sie wird zum Beton-Dschungel, bevölkert von zersplitterten Identitäten – aber die Hofnung bleibt: „I know the sunshine comes through.“ Das Stück pulsiert geheimnisvoll und exotisch, Carlos die Strophen mit mysteriöser Stimme, im Refrain hebt er sie an, Manu spielt dazu eine psychedelische Funkgitarre. Control hat Discobeats und Neo-R’n’BKeyboards, die Band stellt eine ihrer großartigen Fragen, über die man stundenlang philosophieren kann:
„What if control is an illusion after all?” Love startet wie Muzak, ein Beat wie aus dem Fahrstuhl, doch so gemütlich bleibt es nicht, im Laufe der drei Minuten ist Platz für ein paar Showstopper, es drängelt sich eine übersteuerte E-Gitarre ins Bild, den Refrain mit den fächigen Keyboards spielt die Band nur ein einziges Mal, dafür klingt der zweite Durchgang, als habe Stevie Wonder kurz in Wien vorbeigeschaut.
Das sind die ersten fünf Tracks des Albums, und es ist sinnvoll, sich HAPPY FREEDOM auf Vinyl zu beschafen, weil man die Platte nun umdrehen kann und „The Dark Side Of WOMAN“ entdeckt. Money beschreibt den Kapitalismus als eine Art faschistisches System, die Sirenen heulen, der Beat stolpert,
Manu spielt ein sensationelles Gitarrensolo – es steht für den letzten Aufschrei des Individuums. Khung Bo ist der vietnamesische Ausdruck für Terror; Manu stammt aus diesem Land. Wieder wehrt sich hier ein
Mensch, dieses Mal ist der Endgegner die Angst, die eine Zivilgesellschaft in Zeiten des Terrors lähmt.
„Was vielen Pop- und Electronic-Platten heute komplett fehlt, ist eine Aussage“, hadert Carlos. „Ich dagegen wüsste nicht, wie man in dieser Zeiten nicht über diese Themen schreiben könnte“, ergänzt Manu. Das fnale Stück The End kommt im Lauf seiner sechs Minuten mehrmals zum Erliegen, als sehe Sisyphos die Sinnlosigkeit seines Tuns ein. Mit den Zeilen „Take notice of the wonders/ I feel love again“ erhebt sich der Song zum Ende, über den Olymp geht’s bis auf eine Raumstation irgendwo weit draußen
im All. Zurück zur Einstiegsfrage: „Where you gonna go when the planet erupts?“ Na, genau hierhin – in das Raum-Zeit-Kontinuum der Band WOMAN. Der Erdkern ist die Diskokugel, doch das Leben besteht nicht nur als Hedonismus und Dekadenz. Ohne Seele, Freundschaft, Liebe und Gesellschaft biste nix, liebes Individuum. Daher: HAPPY FREEDOM– aber du musst was dafür tun. Einen besseren Soundtrack dazu gibt es nicht. Lasst das Zeitalter des Psychedelic-Electro’n’Disco-Pop beginnen!

 

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Veranstaltungspreis:  VVK: 12€, 2€ Kulturticket (zzgl. Gebühren)

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